Psychische Erkrankungen
Allgemeine Informationen für Eltern & Betroffene
Autismus bei Kindern und Jugendlichen – Die Welt anders wahrnehmen und erleben
„Mein Kind zieht sich häufig zurück.“ „Er interessiert sich intensiv für bestimmte Themen.“ „Sie reagiert sehr empfindlich auf Geräusche oder Veränderungen.“ „Manchmal scheint es, als würde mein Kind andere Kinder nicht richtig verstehen.“ Viele Eltern bemerken bereits früh, dass ihr Kind bestimmte Situationen anders erlebt oder auf seine eigene Weise auf die Welt reagiert. Häufig entstehen zunächst Fragen: „Ist das einfach eine Persönlichkeitseigenschaft?“ „Entwickelt sich mein Kind nur etwas anders?“ „Sollten wir genauer hinschauen?“ Autismus ist keine Krankheit, die „weggeht“, und auch kein Zeichen mangelnder Erziehung oder fehlender Zuwendung. Menschen im Autismus-Spektrum nehmen ihre Umwelt häufig auf eine besondere Weise wahr und verarbeiten Informationen teilweise anders. Jeder Mensch mit Autismus ist individuell. Deshalb spricht man heute von einem Autismus-Spektrum. Was bedeutet Autismus-Spektrum? Der Begriff beschreibt unterschiedliche Besonderheiten in Bereichen wie: sozialer Kommunikation sozialen Beziehungen Wahrnehmung Interessen Verhalten Informationsverarbeitung Nicht alle Kinder oder Jugendlichen zeigen dieselben Merkmale. Manche benötigen viel Unterstützung im Alltag, andere deutlich weniger. Wie kann sich Autismus zeigen? Autismus kann sehr unterschiedlich aussehen. Mögliche Hinweise können sein: Besonderheiten in sozialen Situationen Einige Kinder oder Jugendliche: haben Schwierigkeiten, soziale Signale zu verstehen verstehen Ironie oder indirekte Aussagen nur schwer wirken zurückhaltend haben Schwierigkeiten, Freundschaften aufzubauen bevorzugen manchmal das Spielen oder Beschäftigen alleine Wichtig ist: Nicht jedes Kind mit Autismus möchte keine sozialen Kontakte. Viele wünschen sich Freundschaften [...]
Zwangsstörungen bei Kindern und Jugendlichen – Wenn Gedanken und Rituale den Alltag bestimmen
„Mein Kind wäscht sich ständig die Hände.“ „Er muss immer wieder kontrollieren, ob die Tür wirklich geschlossen ist.“ „Sie fragt mich dieselbe Sache zehnmal hintereinander.“ „Wenn bestimmte Abläufe nicht eingehalten werden, bekommt er starke Angst.“ Viele Kinder haben bestimmte Gewohnheiten oder kleine Rituale. Manche möchten beispielsweise immer dieselbe Gute-Nacht-Geschichte hören oder bestehen auf feste Abläufe im Alltag. Solche Rituale gehören häufig zur normalen Entwicklung. Manchmal entwickeln sich jedoch Gedanken oder Verhaltensweisen, die deutlich stärker werden, viel Zeit einnehmen und das Leben zunehmend belasten. Dann kann eine Zwangsstörung dahinterstehen. Was ist eine Zwangsstörung? Bei einer Zwangsstörung treten wiederkehrende Gedanken oder Handlungen auf, die sich für Kinder und Jugendliche häufig nicht einfach kontrollieren lassen. Betroffene erleben oft einen starken inneren Druck. Sie wissen manchmal selbst, dass bestimmte Gedanken oder Handlungen übertrieben erscheinen – und erleben gleichzeitig, dass sie sich kaum dagegen wehren können. Zwangsstörungen haben nichts mit mangelnder Willenskraft oder fehlender Disziplin zu tun. Was sind Zwangsgedanken? Zwangsgedanken sind wiederkehrende Gedanken, Vorstellungen oder innere Bilder, die sich aufdrängen und häufig Angst oder Unruhe auslösen. Beispiele können sein: Angst vor Krankheiten oder Ansteckung Sorge, jemandem könnte etwas passieren Angst, Fehler gemacht zu haben Gedanken über Ordnung oder Symmetrie belastende Gedanken, die als unangenehm oder erschreckend erlebt werden Kinder beschreiben oft: „Ich weiß, dass es eigentlich keinen Sinn ergibt – aber ich [...]
Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bei Kindern und Jugendlichen – Wenn belastende Erlebnisse nicht einfach verschwinden
„Seit dem Unfall ist mein Kind irgendwie nicht mehr dasselbe.“ „Früher war sie offen und fröhlich – jetzt erschrickt sie ständig.“ „Er möchte plötzlich nicht mehr alleine schlafen.“ Belastende Erlebnisse gehören leider manchmal zum Leben dazu. Viele Kinder und Jugendliche erleben Situationen, die sie zutiefst verunsichern oder überfordern. Dazu können beispielsweise Unfälle, körperliche Gewalt, Mobbing, Verluste, medizinische Eingriffe, häusliche Konflikte oder andere erschütternde Erfahrungen gehören. Nicht jedes belastende Ereignis führt zu einer psychischen Erkrankung. Viele Kinder verarbeiten schwierige Erfahrungen mit Unterstützung ihrer Familie und ihres Umfeldes gut. Manchmal gelingt dies jedoch nicht ausreichend – und das Erlebte wirkt lange nach. Dann kann sich eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickeln. Was bedeutet Trauma eigentlich? Ein Trauma beschreibt eine Situation, die so überwältigend oder bedrohlich erlebt wird, dass die gewohnten Möglichkeiten der Verarbeitung nicht ausreichen. Wichtig dabei: Nicht das Ereignis allein entscheidet darüber, ob etwas traumatisch erlebt wird – sondern auch, wie ein Kind die Situation erlebt, welche Unterstützung vorhanden ist und welche individuellen Voraussetzungen bestehen. Kinder können auf dieselbe Situation sehr unterschiedlich reagieren. Wie zeigt sich eine PTBS bei Kindern und Jugendlichen? Kinder und Jugendliche zeigen traumatische Belastungen häufig anders als Erwachsene. Mögliche Anzeichen können sein: Wiedererleben des Ereignisses belastende Erinnerungen plötzlich auftretende Bilder im Kopf Albträume intensive Angstreaktionen sogenanntes „Wiedererleben“ bestimmter Situationen Manchmal wirkt es, als würde das Kind [...]
Bindungstrauma bei Kindern und Jugendlichen – Wenn frühe Beziehungserfahrungen Spuren hinterlassen
Bindungstrauma bei Kindern und Jugendlichen – Wenn frühe Beziehungserfahrungen Spuren hinterlassen „Mein Kind klammert ständig und hat Angst, verlassen zu werden.“ „Er reagiert bei Kleinigkeiten sofort mit Wut.“ „Sie möchte Nähe – und stößt mich gleichzeitig weg.“ Manche Kinder und Jugendliche zeigen Verhaltensweisen, die Eltern nur schwer verstehen können. Sie reagieren sehr empfindlich auf Zurückweisung, haben Schwierigkeiten, anderen zu vertrauen oder wirken in Beziehungen gleichzeitig bedürftig und abweisend. Hinter solchen Verhaltensweisen kann manchmal mehr stehen als ein schwieriges Temperament oder eine „Phase“. Ein möglicher Hintergrund können frühe belastende Beziehungserfahrungen sein – manchmal wird in diesem Zusammenhang von einem Bindungstrauma gesprochen. Was bedeutet Bindung eigentlich? Kinder kommen nicht mit dem Wunsch nach Unabhängigkeit auf die Welt. Sie kommen mit einem grundlegenden Bedürfnis nach Sicherheit, Schutz und Nähe. Wenn Kinder Angst haben, traurig sind oder sich überfordert fühlen, suchen sie normalerweise die Unterstützung wichtiger Bezugspersonen. Durch wiederkehrende Erfahrungen lernen sie nach und nach: Bin ich sicher? Darf ich Gefühle zeigen? Werde ich verstanden? Ist jemand für mich da? Bin ich wichtig? Diese frühen Erfahrungen prägen häufig, wie Kinder sich selbst und andere Menschen wahrnehmen. Was ist ein Bindungstrauma? Von einem Bindungstrauma wird häufig gesprochen, wenn belastende Erfahrungen innerhalb wichtiger Beziehungen stattfinden oder wenn grundlegende Bedürfnisse nach Sicherheit, Schutz und emotionaler Verfügbarkeit über längere Zeit nicht ausreichend erfüllt werden konnten. Mögliche [...]
Mediensucht bei Kindern und Jugendlichen – Wann wird Mediennutzung problematisch?
Smartphones, soziale Netzwerke, Streaming-Plattformen und Online-Spiele gehören heute selbstverständlich zum Alltag von Kindern und Jugendlichen. Viele Eltern erleben jedoch Situationen wie diese: „Mein Kind hängt nur noch am Handy.“ „Ohne Tablet gibt es Streit.“ „Sobald ich Grenzen setze, eskaliert die Situation.“ Schnell entsteht die Sorge: Ist mein Kind mediensüchtig? Zunächst ist wichtig: Eine intensive Nutzung bedeutet nicht automatisch eine Abhängigkeit. Gerade Jugendliche verbringen einen großen Teil ihres sozialen Lebens online. Entscheidend ist weniger die reine Bildschirmzeit als die Frage: Wie stark beeinflusst die Mediennutzung den Alltag? Woran können problematische Entwicklungen erkannt werden? Mögliche Hinweise können sein: Verlust der Kontrolle über die Nutzungsdauer starke Unruhe oder Gereiztheit beim Abschalten Vernachlässigung von Freunden oder Hobbys Konflikte innerhalb der Familie Schlafprobleme Leistungsabfall in der Schule Rückzug ständige gedankliche Beschäftigung mit Spielen oder sozialen Medien Ein einzelnes Anzeichen bedeutet noch keine Abhängigkeit. Erst wenn mehrere Bereiche dauerhaft betroffen sind, sollte genauer hingeschaut werden. Warum sind Medien so anziehend? Digitale Angebote sind bewusst so gestaltet, dass sie Aufmerksamkeit binden. Belohnungen treten häufig unmittelbar auf: Likes neue Nachrichten Levelaufstiege Punkte spannende Inhalte Gerade Kinder und Jugendliche reagieren besonders sensibel auf solche Belohnungssysteme. Was Eltern vermeiden sollten Aus Sorge entstehen manchmal sehr strenge Regeln: „Ab morgen gibt es gar kein Handy mehr.“ Plötzliche Verbote führen jedoch häufig zu Konflikten und lösen das eigentliche Problem oft [...]
Depressionen bei Kindern und Jugendlichen – Traurig oder bereits depressiv?
Viele Eltern kennen Situationen, in denen sich ihr Kind plötzlich verändert: Es zieht sich zurück, verbringt mehr Zeit allein im Zimmer, wirkt gereizt oder scheint weniger Freude an Dingen zu haben, die früher wichtig waren. Besonders in der Pubertät fragen sich viele Eltern: „Ist das einfach eine Phase?“ oder „Muss ich mir Sorgen machen?“ Tatsächlich gehören Stimmungsschwankungen zur Entwicklung von Kindern und Jugendlichen dazu. Gleichzeitig können sich hinter anhaltenden Veränderungen Hinweise auf eine Depression verbergen. Eine Depression ist keine vorübergehende schlechte Stimmung und auch kein Zeichen von Schwäche oder mangelndem Willen. Sie ist eine ernstzunehmende psychische Erkrankung – und sie kann bereits im Kindes- und Jugendalter auftreten. Wie äußert sich eine Depression bei Kindern und Jugendlichen? Depressionen zeigen sich bei jungen Menschen häufig anders als bei Erwachsenen. Während Erwachsene oft von Traurigkeit berichten, stehen bei Kindern und Jugendlichen häufig andere Symptome im Vordergrund. Mögliche Anzeichen können sein: anhaltende Niedergeschlagenheit Reizbarkeit oder häufige Wutausbrüche sozialer Rückzug Verlust von Interessen und Freude Schlafprobleme Konzentrationsschwierigkeiten Leistungsabfall in der Schule Müdigkeit und Erschöpfung Gefühle von Wertlosigkeit körperliche Beschwerden wie Bauch- oder Kopfschmerzen Hoffnungslosigkeit Besonders Jugendliche beschreiben manchmal eher innere Leere oder das Gefühl, „nichts mehr zu fühlen“, statt von Traurigkeit zu sprechen. „Das ist doch nur die Pubertät“ – ein häufiger Irrtum Viele Eltern sorgen sich, überzureagieren. Gleichzeitig kann die Annahme, dass [...]






