„Mein Kind isst plötzlich kaum noch etwas.“
„Sie beschäftigt sich ständig mit Kalorien und ihrem Gewicht.“
„Er zieht sich beim Essen immer mehr zurück.“
„Früher war Essen selbstverständlich – jetzt gibt es fast täglich Konflikte.“
Essen gehört für die meisten Menschen ganz selbstverständlich zum Alltag. Es bedeutet nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern auch Genuss, gemeinsame Zeit und soziale Nähe.
Umso belastender kann es für Eltern sein, wenn sich das Essverhalten ihres Kindes plötzlich deutlich verändert.
Viele Eltern fragen sich:
„Ist das noch eine Phase?“
„Macht mein Kind gerade einfach bewusster Ernährung?“
„Muss ich mir Sorgen machen?“
Gerade im Kindes- und Jugendalter verändern sich Körper, Gefühle und Selbstbild stark. Gleichzeitig können sich hinter auffälligen Veränderungen im Essverhalten Hinweise auf eine Essstörung verbergen.
Essstörungen sind keine Frage von mangelnder Disziplin oder Eitelkeit. Es handelt sich um ernstzunehmende psychische Erkrankungen, die früh erkannt und begleitet werden sollten.
Wie können sich Essstörungen zeigen?
Essstörungen zeigen sich nicht bei allen Kindern und Jugendlichen gleich.
Mögliche Veränderungen können sein:
- auffällige Gewichtsveränderungen
- starkes Beschäftigen mit Essen, Kalorien oder Gewicht
- Auslassen von Mahlzeiten
- Rückzug bei gemeinsamen Mahlzeiten
- Vermeidungsverhalten beim Essen
- übermäßige körperliche Aktivität
- starke Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper
- Schuldgefühle nach dem Essen
- Veränderungen der Stimmung
- sozialer Rückzug
Nicht immer sind Veränderungen sofort offensichtlich.
Manche Kinder und Jugendliche versuchen lange Zeit, Schwierigkeiten zu verbergen.
Welche Formen von Essstörungen gibt es?
Essstörungen können unterschiedlich aussehen.
Zu den bekanntesten Formen gehören:
Anorexie (Magersucht)
Häufig stehen im Vordergrund:
- starke Angst vor Gewichtszunahme
- erhebliche Einschränkung der Nahrungsaufnahme
- ausgeprägte Beschäftigung mit Gewicht und Figur
- verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers
Bulimie (Ess-Brech-Sucht)
Hier treten häufig auf:
- wiederkehrende Essanfälle
- starke Schuld- oder Schamgefühle
- Versuche, die aufgenommenen Kalorien wieder auszugleichen
Binge-Eating-Störung
Dabei erleben Betroffene häufig:
- wiederkehrende Essanfälle
- Kontrollverlust während des Essens
- Scham und Belastung im Anschluss
Wichtig:
Nicht jede Essstörung passt eindeutig in eine einzelne Kategorie.
Warum entstehen Essstörungen?
Es gibt selten nur eine Ursache.
Häufig wirken verschiedene Faktoren zusammen.
Mögliche Einflussfaktoren können sein:
- geringes Selbstwertgefühl
- Perfektionismus
- Belastungen oder Stress
- familiäre Konflikte
- Mobbing
- Unsicherheiten bezüglich des eigenen Körpers
- soziale Medien und Schönheitsideale
- genetische Einflüsse
- belastende Lebensereignisse
Wichtig ist:
Eltern tragen nicht automatisch die Verantwortung.
Viele Familien suchen zunächst nach Fehlern bei sich selbst.
Essstörungen entstehen jedoch meist durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren.
Was Eltern häufig beobachten
Neben Veränderungen beim Essen fallen manchmal weitere Dinge auf:
- häufige Beschäftigung mit dem Spiegel
- weite Kleidung
- Vermeidung gemeinsamer Mahlzeiten
- zunehmender Rückzug
- starke Stimmungsschwankungen
- Konzentrationsprobleme
- zunehmender Leistungsdruck
Gerade Jugendliche versuchen häufig, Schwierigkeiten lange zu verstecken.
Was Eltern tun können
Beobachten statt kontrollieren
Sorge führt verständlicherweise häufig zu Kontrolle.
Zu viel Druck kann jedoch dazu führen, dass Konflikte zunehmen.
Hilfreicher kann zunächst sein:
„Mir fällt auf, dass sich dein Essverhalten verändert hat und ich mache mir Sorgen.“
Gefühle ernst nehmen
Hinter Essstörungen stehen oft Belastungen, die weit über das Essen hinausgehen.
Gespräche offen halten
Kinder und Jugendliche brauchen häufig Zeit, bevor sie über Schwierigkeiten sprechen können.
Wann sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden?
Unterstützung sollte in Anspruch genommen werden, wenn:
- deutliche Veränderungen beim Essen auftreten
- Gewicht stark abnimmt oder zunimmt
- körperliche Beschwerden entstehen
- sozialer Rückzug zunimmt
- Gedanken über Essen und Gewicht den Alltag bestimmen
- starke Belastungen sichtbar werden
Je früher Unterstützung erfolgt, desto besser können belastende Entwicklungen häufig unterbrochen werden.
Wie kann Psychotherapie helfen?
In der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie geht es nicht nur um das Essverhalten selbst.
Vielmehr stehen häufig Fragen im Mittelpunkt wie:
- Welche Gefühle stehen dahinter?
- Welche Belastungen gibt es?
- Welche Bedürfnisse werden möglicherweise nicht ausreichend wahrgenommen?
Kinder und Jugendliche können lernen:
- Gefühle besser wahrzunehmen
- Selbstwert zu stärken
- hilfreiche Bewältigungsstrategien zu entwickeln
- den Umgang mit belastenden Gedanken zu verändern
- einen gesünderen Umgang mit sich selbst aufzubauen
Auch Eltern werden häufig unterstützend einbezogen.
Abschließende Gedanken
Essstörungen drehen sich meist nicht nur um Essen.
Häufig stehen dahinter Gefühle, Belastungen und innere Konflikte, die sich auf andere Weise nur schwer ausdrücken lassen.
Frühe Unterstützung kann helfen, Belastungen zu erkennen und Kinder und Jugendliche dabei zu begleiten, wieder einen gesunden Umgang mit sich selbst und ihrem Körper zu entwickeln.
